Landesmusikrat Bremen

Zur Geschichte

Rede zum 10jährigen Jubiläum 1988

von Prof. KLaus Bernbacher

Aus Anlass unseres zehnjährigen Jubiläums 1988 veranstaltete der Landesmusikrat Bremen eine Bremer Kulturtagung mit dem aktuellen Thema „Kultur – Grundrecht für eine menschliche Gesellschaft“. Der Ort des Geschehens war das Haus der Bürgerschaft, das wir in ein „Haus der Musik“ umgestalteten.
Im Plenarsaal begrüßte uns der damalige Bürgerschaftspräsident, Dr. Dieter Klink, mit einer trefflichen Einleitung. Er rief uns ins Bewusstsein: „Die erste Musikmeldung aus Bremen war 1988 gerade 1199 Jahre alt. 789 begruben seine Begleiter ihren ersten Bischof Willehad im Dom – also auf gleichem Grund und Boden - mit den dazugehörigen liturgischen Gesängen!“

Folglich ist diese historisch-musikalische Tat 1998 nunmehr 1209 Jahre her. Dagegen müssten eigentlich die 20 Jahre Landesmusikrat leicht zu bewältigen sein. Und doch gewann ich bei Sichtung des Materials den Eindruck, dass es sich lohnen würde, den kulturpolitischen Gestaltungswillen unserer Vereinigung gründlicher auszuwerten, als das im Rahmen einer Rede möglich ist.

Wie fing nun alles an? – Ich will versuchen, es in großen Zügen zu erzählen.

Der Dachverband „Deutscher Musikrat“ wurde 1953 von führenden Persönlichkeiten des Deutschen Musiklebens auf breiter Grundlage gegründet und als Nationalkomitee der Bundesrepublik Deutschland in den internationalen Musikrat der UNESCO aufgenommen. Der Dachverband wurde 25 Jahre zentral geführt.
Die Freie Hansestadt Bremen hatte erste Begegnungen mit dem Musikrat durch Teilnahme am Bundeswertbewerb „Jugend musiziert“ und Ausrichtung der damit verbundenen Landeswettbewerbe in den 60er Jahren und natürlich als Gastgeber der 11. Generalversammlung des Deutschen Musikrates vom 20. bis 25 Oktober 1970. Als Präsident amtierte in dieser Zeit der Komponist Werner Egk. Hans Otte und ich gehörten dem Präsidium seit 1969 an. Noch heute erinnern sich ältere Kollegen an die schöne hanseatische Atmosphäre in den Räumen des alten Rathauses und an die interessanten Debatten über das Tagungsthema „Die Musik im nationalen Bildungsplan - eine politische Forderung!“

Es zeigte sich in den 70er Jahren, dass der föderative Aufbau unserer Bundesrepublik und die Kulturhoheit der Länder es erforderlich machten, die vielfältigen Aufgaben einer konsequenten Musik und Kulturpolitik „vor Ort“ nachdrücklich zu vertreten. Dazu waren „Räte“ der Musik in den Ländern nötig, es kam daher in Bremen zunächst zur Gründung einer „Landesarbeitsgemeinschaft für Musik und Musikpflege“, die von Horst Menzel, Wolfgang Schäfer, Otto Thein, Peter Schulze und mir geleitet wurde. Dadurch waren die Schulmusik, die Laienmusik, die Musikwirtschaft, die populäre Musik und die künstlerisch professionellen Bereiche einschließlich der Neuen Musik im Vorstand vertreten. In der Bundesrepublik ergriff dann Bayern – wie sollte es im Rahmen des freistaatlichen Staatsbewusstseins auch anders sein – die Initiative zur Gründung des Bayerischen Musikrates. Diese Vorreiterrolle führte im Rahmen unserer Bundesorganisation zu manchen Spannungen. Als Vorsitzende der damaligen Satzungskommission haben Bruno Tetzner und ich uns bemüht, einen gemeinsamen Weg für die Zukunft zu finden. 1978 war dann das Jahr der Gründung von Landesmusikräten in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Inzwischen gibt es in allen 16 Bundesländern entsprechende Gremien – beeindruckend war der schnelle Aufbau in den neuen Bundesländern nach der Wende.

Der Landesmusikrat Bremen übernahm durch Wahl den Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft, das Gremium blieb in dieser Zusammensetzung bis 1993, von den Mitgliederversammlungen bestätigt, im Amt.

Um die Formulierung der Satzung hatte sich Dr. Dr. Blaum gekümmert. Der erste Aufgabenkatalog umfasste u. a. folgende Punkte:
1. Vertretung der gemeinsamen Interessen aller am Musikleben beteiligten Institutionen, Verbände und Organisationen in der Öffentlichkeit, insbesondere gegenüber der Verwaltung auf Landes- und Gemeindeebene.
2. Koordinierung und Förderung der Aktivitäten seiner Mitglieder.
3. Anregung und Durchsetzung kulturpolitischer Maßnahmen im Bremer Musikleben.
4. Ausbau und Verbesserung des Musikunterrichtes an den allgemeinbildenden Schulen.
5. Ausbau und Förderung der außerschulischen musikalischen Ausbildung.
6. Förderung des professionellen und des Laien-Musizierens auf allen musikalischen Gebieten.
7. Verbesserung der Rahmenbedingungen des Musiklebens (Konzertsäle, Übungsräume etc.).

In kurzer Zeit gelang es über 40 Organisationen, darunter Bundesvereinigungen, durch ihre Landesverbände und bremische und Bremerhavener Institutionen aus allen musikalischen Bereichen, ernsten wie populären, schaffenden wie nachschaffenden, professionellen wie solchen des Laienmusizierens, der Musikausbildung, Musikwirtschaft und Forschung als Mitglieder zu gewinnen, dazu Einzelpersonen, die sich um das bremische Musikleben verdient gemacht haben. Der Landesmusikrat konnte und kann sich mit Fug und Recht als Vertreter von über 40.000 musizierenden Bürgerinnen und Bürgern im Lande Bremen bezeichnen.
Zwei wichtige Aktivitäten fielen in die Anfänge unserer Tätigkeit: Das 1978 novellierte Radio-Bremen-Gesetz sah die ständige Mitgliedschaft des Landesmusikrates im Rundfunkrat des Senders per Gesetz vor. Wolfgang Schäfer hatte von Beginn an diese oftmals schwierige Aufgabe übernommen, zeitweise auch als Vorsitzender des Kulturausschusses. Horst Menzel ist ihm seit 1996 in beiden Funktionen gefolgt.

Im September 1979 veröffentlichte der Landesmusikrat den Bremer Landesmusikplan. Daraus drei Kostproben:
1. Forderung nach Renovierung der Glocke und den Bau eines Musikzentrums mit einem Saal von 2.500 Plätzen auf dem Hillmann-Grundstück. Die Mitgliederversammlung sandte ein Telegramm an Bürgermeister Koschnick und die Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU und FDP.
2. Bau eines Konzertsaales in Bremerhaven.
3. Ausbau der mit Kulturfragen der Stadt Bremen beauftragen Dienststellen beim Senator für Wissenschaft und Kunst zu einem Kulturamt.

Rundherum haben wir 1979 für die jahrelange, schon damals beklagte Unterfinanzierung der Kultur einschließlich der Bauten 200 Millionen DM veranschlagt. Senator Franke, in dieser Zeit durchaus dialogwillig, fiel nicht in Ohnmacht, sondern erklärte:
„Die Forderung nach 200 Millionen bereitet mir keine schlaflose Nacht, denn das Geld erhalte ich so und so nicht. - 500.000 DM hätten mich in große Schwierigkeiten gebracht!“

Immerhin verabredeten wir engen Kontakt, und er schrieb uns am 18. September 1979, dass „die weitere Entfaltung und Förderung des bremischen Musiklebens in engem Kontakt zwischen mir und dem Landesmusikrat verlaufen [wird], den ich als höchst sachverständiges Gremium und natürlich auch als Interessenvertretung der Betroffenen schätze“.
In einem Gespräch am 17. Januar 1980 war für beide Seiten bindend vereinbart worden, in gemischten Kommissionen die Realisierung des Landesmusikplans zu verfolgen. Diese Kommission trat am 19./20. Mai 1980 im Presseclub zusammen. Wir schrieben am 8. Juli an den Senator: „Von Seiten des Landesmusikrates waren bei diesem Gespräch sämtliche kompetente Fachleute für die unterschiedlichen Bereiche anwesend. Wir bedauern zutiefst, dass von Ihrer Seite lediglich der musikpflegerische Bereich durch Herrn Faltus (und am zweiten Tag zusätzlich Frau Reimann) vertreten war, dass aber weder ein Haushaltsexperte noch der zuständige Referent für den Ausbildungs- und universitären Bereich noch ein Fachmann für das Bauwesen anwesend waren, wie wir es doch klar in unserem Gespräch im Januar vereinbart hatten. Diese Situation hat die Arbeit, an der Sie ja doch auch Interesse haben müssten, nicht gerade erleichtert. Wie Sie dem Protokoll entnehmen können, hat sich in den gemeinsamen Sitzungen ergeben, dass die im Landesmusikplan vom September letzten Jahres angegebenen Bedarfszahlen für den musikalischen Bereich im Lande Bremen eher noch untertrieben sind und dass die Berechtigung der Forderungen auch von Ihrer Behörde nicht in Frage gestellt wird. Wir meinen, es ist höchste Zeit für die Verbesserung der Zusammenarbeit und bitten Sie dringend um einen Gesprächstermin in dieser Sache.“

Senator Franke hatte noch einen anderen Vorschlag: Er wollte alle Mittel für den freien musikalischen Bereich dem Landesmusikrat zur Verteilung übergeben. Wir haben dankend abgelehnt, denn der Landesmusikrat sollte erstens eine vom Staat unabhängige Organisation bleiben, was eine Zusammenarbeit bei Sonderprojekten nicht ausschließt und zweitens wollten wir in dem Zwei-Städte-Staat die gewachsenen Beziehungen der einzelnen Institutionen mit ihrer Kulturbehörde nicht stören. Wir sahen uns als kulturpolitisches Regulativ.

Die 80er Jahre standen dann im Zeichen inhaltlicher Arbeit durch wichtige Projekte und Gründungen, Planung und Koordinationen wie u. a. die Landesausscheidungen zu den Deutschen Chor- und Orchesterwettbewerben. Unter dem Motto „Eine Stadt spielt Brahms“ feierte Bremen den 150. Geburtstag des großen Komponisten, der am 7. Mai 1833 in Hamburg geboren wurde. Von April 1983 bis März 1984 fanden in Bremen 46 Veranstaltungen mit Werken von Brahms statt, an denen sich nahezu alle wichtigen bremischen Musikinstitutionen erfolgreich beteiligt haben. Ohne den Landesmusikrat und Radio Bremen, das den größten Teil der Konzerte aufzeichnete, hätte die Koordination und Durchführung dieses bisher größten Musikfestes bremischer Musikeinrichtungen nicht gelingen können. Das Jahr der populären Musik folgte 1984. Bereits 1975 gründeten Klaus Kuhnke, Manfred Miller und Peter Schulze das „Archiv für populäre Musik“, das nach dem Tode Kuhnkes 1988 dessen Namen erhielt. 1985 koordinierte der Landesmusikrat über 100 Veranstaltungen in Bremen und Bremerhaven zum „Europäischen Jahr der Musik“, in Verbindung mit dem für dieses Jahr gegründeten Nationalkomitee der BRD unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. 1987 konnte der Bremer Klavierwettbewerb ins Leben gerufen werden, und zwar nach einer Idee des Bremer Ehepaares Aenne und Walter Genoux, die für die Wettbewerbe 1987 und 1989, zunächst im nationalen Rahmen, ein Grundkapital für die Preise zur Verfügung stellten.
Der Landesmusikrat, die Sparkasse und Radio Bremen waren von Anfang an helfend dabei und haben nach dem Tode des rührigen Ehepaares die weitere Durchführung des Bremer Klavierwettbewerbes ab 1991 auf gesamteuropäischer Basis einschließlich der GUS-Staaten, Israels und der Türkei beschlossen und gesichert. Der jeweilige Bundesaußenminister konnte als Schirmherr des alle zwei Jahre stattfindenden Wettbewerbes gewonnen werden. Die pianistischen Anforderungen des Wettbewerbsprogramms, hochkarätige Jury-Gremien und das Niveau der Preisträger haben dem Bremer Klavierwettbewerb nach kurzer Zeit seines Bestehens internationale Anerkennung verschafft. Im Hauptausschuss des Wettbewerbs haben sich das Ehepaar Fischer-Thein, Peter Schilbach und Kurt Seibert, dazu unsere Mitarbeiterin Rosemarie Abtmeyer, besonders verdient gemacht. Unser Dank gilt nach wie vor Friedrich Rebers und seinem Nachfolger Jürgen Oltmann seitens der Sparkasse und natürlich Radio Bremen, seiner Musikabteilung und Technik.

Im gleichen Jahr warnt der Musikrat, den Teerhof nicht mit Wohnungen als Schlafstätte „vollzupflastern“, sondern ein großes Kulturzentrum zu schaffen.

1988 begingen wir unser zehnjähriges Jubiläum mit einer zweitägigen Kulturtagung am 8. und 9. September. In unserem Aufruf stand: „Zu den großen Wahlkampfveranstaltungen vor der Wahl zur Bremischen Bürgerschaft am 13. September 1987 zählten Tagungen der SPD, der CDU und der Grünen, Veranstaltungen mit zentralen kulturpolitischen Fragestellungen. Der Landesmusikrat war als Gast im Plenum wie auf dem Podium aktiv an den Diskussionen beteiligt und hat schon zum damaligen Zeitpunkt erklärt, dass er die Parteien nach der Wahl auf die Einlösung ihrer programmatischen Erklärungen hin befragen werde. Ein Jahr später halten wir diesen Zeitpunkt für gekommen. Zur Tagung sind Vertreter kultureller Institutionen wie Theater, Kirchen, Schule, Universität, Gewerkschaften, der Wirtschaft und selbstverständlich der Parteien eingeladen. Das Thema der Tagung lautet: ,Kultur – Grundrecht für eine menschliche Gesellschaft - Subvention oder Finanzierung.“ Den Festvortrag hielt Staatsrat Prof. Wolfgang Gönnenwein, Generalintendant des Staatstheaters Stuttgart, der das Tagungsthema in „Kultur als Lebensnotwendigkeit, ja Lebenshilfe“ variierte. Verschiedene Podien waren kompetent besetzt und ergänzten das Bild der Tagung, dessen Bedeutung der amtierende Staatsrat Prof. Hoffmann überhaupt nicht zu verstehen schien. Im Podium Raumprobleme des Musiklebens wurde der Gedanke des Neubaus eines großen Konzertsaales wieder aufgegriffen, nachdem der pragmatische Plan eines Mehrzwecksaales im Kongressgebäude auf der Bürgerweide durch anderweitige Interessen des Betreibers nicht weiter verfolgt werden konnte.

Kurze Zeit nach der Tagung trafen sich Ingeborg Fischer-Thein, Friedrich Rebers, Eberhard Kulenkampff, Karl-Heinz Klostermeier und Klaus Bernbacher zu ersten Gesprächen. Im November 1991 kam es zur Gründung des „Fördervereins Neue Philharmonie“, der später in „Förderkreis Musicon Bremen“ umbenannt wurde. Ich überspringe bei diesem Thema einige Jahre und weise auf den weltweit ausgelobten Architektenwettbewerb hin. Eine internationale Jury sprach sich im August/September 1996 bei hochqualifizierter Beteiligung für den Entwurf des renommierten Architekten Daniel Libeskind aus. Die Entscheidung fand international ein starkes publiziertes Echo. Der Libeskind-Entwurf ist eine kühne städtebauliche Aussage ersten Ranges. Leider wird die Realisierung zur Zeit noch politisch blockiert, obwohl immer mehr Abgeordnete aller Parteien, an der Spitze Helga Trüpel, sich für dieses Projekt interessieren. Das Libeskind-Modell braucht ein großzügiges „städtebauliches Ambiente“. In Paris, New York und Berlin wüsste man, an welchen Standort ein solcher Bau gehört. Wir müssen Geduld haben. Das Aalto-Opernhaus in Essen - der architektonisch und akustisch gelungenste Theaterneubau nach dem Krieg in Deutschland - hat 30 Jahre auf seine Verwirklichung warten müssen.

Zurück zur Kulturtagung 1988. Wir forderten u. a.:
– den Kulturanteil am Bremer Landeshaushalt gemäß der Empfehlung des Städtetages auf 3 % zu erhöhen;
– zwei Wochenstunden kontinuierlichen Musikunterricht aufgrund der Vorgaben der Bund-Länder-Kommission;
– ausreichende Finanzmittel für den Ausbau des Fachbereiches Musik an der Hochschule für Künste;
– den Erhalt und Bestand der Jugend- und Volksmusikschule
– die Finanzierung des Laienmusizierens nicht allein durch Lotto- und Totomittel vorzunehmen, sondern auch im Haushalt zu verankern;
– die Entwicklung eines kulturfreundlichen Nahverkehrskonzeptes und den Ausbau eines S-Bahnsystems für Bremen als Oberzentrum.

Für 1989 ist eine bemerkenswerte Ausstellung zu erwähnen, die der Landesmusikrat zusammen mit dem Senator für Bildung, Wissenschaft und Kunst und dem Staatsarchiv nach Bremen geholt hat. Es handelte sich um die Ausstellung „Entartete Musik - eine kommentierte Rekonstruktion der nationalsozialistischen Kulturpolitik“. Die Ausstellung fand viel Beachtung. Im folgenden Jahr 1990 kündigten sich bereits Auseinandersetzungen im Vorfeld der Bürgerschaftswahl 1991 an. Die Kulturszene in Bremen gewann gegenüber der Politik an Selbstbewusstsein und einigte sich darauf, eine Großveranstaltung als Demonstration gegen die jahrelange Unterfinanzierung der Kultur in Bremen zu organisieren.Am 6. Oktober 1990 fand in der damaligen Eislaufhalle unter dem Motto „Kulturkampf so-viel-mit-so-wenig“ eine muntere Show mit viel Programm und Diskussionen statt, an der sich wirklich alle Gruppierungen beteiligten. Der Landesmusikrat war innerhalb der „ZOK“ – der zentralen Organisation für Kunst und Kultur – einer der Träger dieses Spektakels. In einem symbolischen Boxring diskutierten Künstler mit Politikern, wobei die oppositionelle Abgeordnete der Grünen Helga Trüpel die Speerspitze und Hoffnung der Kulturschaffenden war. Im gleichen Jahr begann der Landesrundfunkausschuss seine gesetzliche Tätigkeit. Der Landesmusikrat war Wahlmitglied des Gremiums und wurde von der Komponistin Siegrid Ernst vertreten.
Das internationale Mozart-Jahr 1991 aus Anlass des 200. Todestages - Mozart verstarb in der Nacht vom 4. zum 5. Dezember 1791 - hatte den Charakter eines Weltmusikfestes. Das veranlasste auch in Bremen Musiker und Musikfreunde, ihre außerordentlichen Vorhaben zu koordinieren und dazu auswärtige Künstler einzuladen. 150 Konzerte aller Art gaben dem Bremer Musikleben, wie vorher das Brahms- und Europäische Jahr, wichtige Impulse. Federführend waren der Landesmusikrat und der Mozart-Kreis tätig. Der Gedanke der kulturellen Vernetzung und Zusammenarbeit in einer Stadt,wie ich in beiden Beispielen dokumentiert habe, ist kein neuerer Einfall, sondern wurde vom Musikrat seit seinem Bestehen mit Erfolg praktiziert. Im Mai 1991 starteten wir eine Initiative zum dringend notwendigen Ausbau des Fachbereichs Musik der Hochschule für Künste. Wenn man unsere damaligen Forderungen heute nachliest, stellt man mit Freude fest, dass eine Reihe von Verbesserungen eingetreten sind, es bleibt jedoch noch viel zu tun.
Vor der Bürgerschaftswahl 1991 richtete der Landesmusikrat an die Parteien einen Fragenkatalog als Prüfstein über die Musikpolitik für die Legislaturperiode 1991 bis 1995. Fragen und Antworten haben wir in einem großen Faltblatt gedruckt und der Öffentlichkeit übergeben.Ende 1991 beschloss die kulturelle Szene die Gründung eines Kulturrates für das Land Bremen. Inzwischen gab es nach langer Zeit in Bremen wieder eine Koalitionsregierung – die Ampel – und ein eigenes Kulturressort für Helga Trüpel. 150 Vertreter aus über 100 Einrichtungen (einschließlich der im Landesmusikrat organisierten Vereinigungen) konstituierten am 16. Januar 1992 im Haus der Bürgerschaft den Kulturrat Bremen und verabschiedeten ein Statut. Es war politischer Konsens, Kunst und Kultur mehr Geltung zu verschaffen,die Rahmenbedingungen zu verbessern und das alles in Solidarität untereinander zu erreichen. Ein hohes
Ziel! Es wurde am Gründungstag gegen die Kürzung der ABM-Mittel und die Überlassung der Sprecherfunktion der Deputation für Kultur an einen Vertreter der DVU protestiert,eine herbe Kritik an dem Verhalten der demokratischen Parteien, die in ihrem taktischen Verteilerkampf um Sprecherfunktionen Kultur als nicht so wichtig ansahen.
Der Dialog mit dem Kulturressort gestaltete sich nicht so, wie wir alle es erhofft und erwartet hatten. Staatsrat Dr. Schwandtner, im Grunde fremd in Bremen, war im Sommer Gast einer Mitgliederversammlung und sah sich dort heftiger Kritik ausgesetzt.

Im November 1993 wurde unser 15jähriges Bestehen mit einer Arbeitstagung im Gerhard-Marcks-Haus begangen. Das Generalthema lautete: „Vom Recht des Künstlers, sich einzumischen - konstruktive Einsprüche zur Kulturpolitik“.
Den Festvortrag „Musikpolitik nach dem Maastrichter Vertrag“ hielt der Generalsekretär des Deutschen Musikrates, Andreas Eckhardt. Drei Arbeitsgruppen behandelten
– Orchesterstrukturen und Musiktheater
– musikalische Jugendbildung und Musikstudien
– Laienmusik in Jazz / Chor und Orchester.

Es wurde beklagt, dass die Kultursenatorin in einer Zwischenbilanz ihrer kulturpolitischen Vorstellungen und Planungen den größten Teil der auch im Landesmusikrat zusammengeschlossenen Initiativen, Vereine und Projekte im Amateur- und semiprofessionellen Bereich nicht erwähnte. Es wurde festgestellt, dass seit Jahren die Förderung aus Lottomitteln bescheiden sei und eher eine Folge von Zufälligkeiten denn inhaltlicher Art wären. Die Mitgliederversammlung wählte neue Vorstandsmitglieder hinzu. Wolfgang Schäfer und Peter Schulze kandidierten nach 16jähriger erfolgreicher Amtszeit nicht mehr. Ernst Folz und Kurt Seibert waren die Neuen. Menzel, Thein und Bernbacher wurden wiederum bestätigt. Der Sprecherrat des Kulturrates, dem unsere Kollegin Brigitte Schulte-Hofkrüger aktiv seit der Gründung angehört, sprach sich gegen Kürzungen im laufenden Kulturhaushalt 1993 aus und kündigte Aktionen für eine Erhöhung an.
Im Oktober 1994 gab es eine detaillierte gemeinsame Stellungnahme des Verbandes Deutscher Schulmusiker und des Kultur- und Musikrates zur Situation der Schulfächer Kunst und Musik anlässlich der Kultusministerkonferenz in Bremen.

Das Jahr 1995 brachte nach der Bürgerschaftswahl die Bildung einer Großen Koalition. Frau Kahrs übernahm ein großes Ressort. Der Jahresbericht 1995 musste sich mit der inzwischen extremen Finanzkrise und ihren einschneidenden Auswirkungen auf das kulturelle, gesellschaftliche und soziale Umfeld befassen. Wir leiden heute noch darunter, dass in Bremens guten finanziellen Jahren, die es ja auch gegeben hat, in die Kultur im Vergleich zu gleich großen Kommunen zu wenig investiert wurde. In Zeiten knapper Finanzen müssen die „bremischen kulturellen Einrichtungen“ absolut Vorrang in der Kulturförderung haben, damit deren Bestand und Entwicklung gesichert wird.
In dem Papier von 1995 wird erstmalig die Forderung artikuliert, Kultur als Staatsziel in die Landesverfassung zu verankern, was inzwischen durch einstimmigen Beschluss der Bürgerschaft erfolgt ist:
– es wird die Aufstellung einer mittelfristigen Finanzplanung für die Institutionen angemahnt, damit Planungssicherheit gegeben ist.
– Radio Bremen muss erhalten bleiben, um als Kulturfaktor für das Land Bremen weiter wirken zu können. Der föderale Grundgedanke des Grundgesetzes gebietet den Erhalt des Landes und unseres Rundfunksenders.

In diesem Zusammenhang darf die Bremer Resolution, vom Landesmusikrat organisiert, nicht vergessen werden, die sich Ende der 80er Jahre gegen Absichten der ARD wandte, Produktionen und Sendungen für Neue Musik einzuschränken. Die Unterzeichnenden, namhafte Komponisten und Interpreten, hatten damals mit ihrem Protest Erfolg.

Im Frühjahr 1997 wählte die Mitgliederversammlung Ernst Folz zum neuen Vorsitzenden, da ich nach 18 Jahren nun nicht mehr für den Vorsitz kandidieren wollte. Helmut Schaarschmidt übernahm das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden, das vorher Horst Menzel gleichfalls 18 Jahre innehatte. Als Beisitzer fungierten Brigitte Schulte-Hofkrüger, Horst Menzel, Kurt Seibert und Otto Thein. Im Herbst gab es in Bremen zum zweiten Mal in der Geschichte des Deutschen Musikrates eine Tagung des Länderrates, an der Vertreter aus allen Bundesländern in die Hansestadt teilnahmen. Frau Senatorin Kahrs empfing die Gäste im Rathaus.
Dem zuvor erwähnten neuen Vorstand gelang im Rahmen unseres Schwerpunktes Jugendförderung und in Verbindung mit der Senatorin für Bildung, Wissenschaft und Kunst sowie dem Deutschen Komponisten-Interessenverband die Einrichtung eines Preises für junge Komponisten zur Förderung der zeitgenössischen Musik und junger Laienensembles. Siegrid Ernst hatte diese Idee entwickelt, um eine Alternative zu dem vor Jahren eingestellten Musikförderpreis vorzuschlagen.



Der Landesmusikrat Bremen e.V. von 1998-2003

Klaus Bernbacher (leicht veränderte Fassung der Rede zum 20jährigen
Jubiläum des Landesmusikrates Bremen 1998)

In den vergangenen fünf Jahren erweiterte der Landesmusikrat durch die Beteiligung an zwei weiteren Wettbewerben seine Bandbreite besonders im Hinblick auf die Förderung von Nachwuchstalenten auf dem Gebiet der populären Musikgattungen. So wirkt er mit bei der Austragung des Wettbewerb „New Sensation“ der Länder Niedersachsen und Bremen und des Senders ffn, an dem junge Rockbands teilnehmen können. Dieser Wettbewerb dient dazu, diesen Bands den Einstieg in das Profi-Musikgeschäft zu ermöglichen, was bei den meisten anderen musikalischen Wettbewerben der Jugendförderung wie z. B. Jugend musiziert nicht der Fall ist. Die andere Veranstaltung ist Jugend jazzt, das Pendant zu Jugend musiziert im Bereich der Jazzmusik, der 2003 zum zweiten Mal auf Landesebene in Verbindung mit der MIB ausgetragen wird.

Neben diesen neuen Wettbewerben wurden auch die schon etablierten Veranstaltungen wie der Chor- und Orchesterwettbewerb, Jugend musiziert und vor allem der Bremer Klavierwettbewerb fortgeführt. Auch der erst 1998 eingeführte Bremer Komponistenwettbewerb wird bereits zum dritten Mal ausgetragen.

Zur Bürgerschaftswahl 1999 erstellte der Landesmusikrat Bremen Wahlprüfsteine zu kulturellen Fragen, zu denen die Parteien Stellung nehmen sollten. In diesem Jahr schieden auch Horst Menzel, Brigitte Schulte-Hofkrüger und Kurt Seibert aus dem Vorstand des Landesmusikrates aus, neu hinzugewählt wurden Andreas Brandes und Oliver Rosteck.

Im Jahr 2000 veröffentlichte der Landesmusikrat nach 21 Jahren wieder einen Landesmusikplan, der die aktuelle musikalische Landschaft des Bundeslandes darstellt. Erreichte und noch offene Ziele seit dem letzten Musikplan wurden erörtert, neue Forderungen gestellt und alte, soweit sie noch nicht erfüllt waren, wie z. B. nach einem eigenen großen Konzerthaus für Bremen, erneut in die Diskussion eingebracht. Der Landesmusikplan 2000 erregte große Aufmerksamkeit in politischen Kreisen und wurde z. T. als Grundlage für den Kulturentwicklungsplan für das Land Bremen verwendet.

Im Rundfunkrat von Radio Bremen vertritt seit 2000 Klaus Bernbacher den Landesmusikrat und ist zugleich Mitglied des Finanz- und Organisationsausschusses. Horst Menzel ist sein Stellvertreter und Vorsitzender des Programmausschusses Hörfunk.

Im Februar 2001 wurde unser Vorsitzender Ernst Folz auch zum Vorsitzenden der Konferenz der Landesmusikräte gewählt – eine Ehre für unser kleines Bundesland und eine bundesweite Anerkennung für die Arbeit des Landesmusikrates Bremen.

Seit August 2002 hat die Geschäftsstelle ein neues Domizil im Hanseatenhof mitten in der Innenstadt, nachdem die Räumlichkeiten im Steintor nicht mehr zur Verfügung standen.

Der Landesmusikrat unterstützt zudem maßgeblich die Aktion „Rettet den Sendesaal“ von Radio Bremen, die im Herbst 2002 zur Gründung des Vereins der Freunde des Sendesaales Radio Bremen führte.

Aktulle Entwicklung

Der neue Landesmusikplan 2010 wurde 2009 veröffentlicht.
Prof.Hildegard Perl ist seit 2008 Mitglied im Rundfunkrat, Andreas Brandes ist seitdem ihr Stellvertreter